Pass mal auf…

Pass mal auf...

„Du hast doch Urlaub, was machste denn da?“
„? Keine Ahnung, einfach mal ein bisschen Dolomiten, Alpen, Kehren, Paesse, was man halt gerne macht als Kradfahrer.“

„Ich fahr mit, alleine Fahren ist doch eh bloed.“
„Ok, morgen geht’s los um 0800h, ich buch derweil mal irgendwo ein Zimmer.“

19.08.2008 Dienstag Morgen 0800h, leicht verpennt mache ich mich auf den Weg um Heike abzuholen. Die von mir geplante Abfahrt um 0800h wird also um 0900h vollzogen. Noch Tanken und Reifendruck pruefen und es geht los. Ueber Landstrassen nach Kochel und dort den Kesselberg erklommen, geht es ueber den Walchensee weiter Richtung Mittenwald und die Leutaschklamm, zum Seefelder Sattel, dann Zirler Berg. Um den Brenner ohne Dosenbahn zu erreichen wird ueber Hennenboden, Elboegen, Matrei gefahren. Stubaital zu unserer Rechten. Runter vom Brennerpass geht es zum Penserjoch, ein absoluter Traum, warum hoert man eigentlich nicht viel oefter von diesem Kleinod? Riobianco passieren wir und sind noch nicht mal halb in Bolzano. Das Penserjoch ist immens lang und vor allem fahrerisch ein Traum.
In Bozen von einem startenden Hubiranten um ein Haar umgeweht worden, weil ich dem unbedingt beim abheben zusehen musste und dabei die Karre nicht festgehalten habe, knapp wars. Von hier aus geht es auf dem Mendelpass, ist an sich ganz nett aber recht kurz mit wenigen interessanten Teilstuecken.
Nach dem Mendel geht’s direkt auf den Gampenpass. Der dient nur als Bruecke zum Timmelsjoch und viel geboten ist auch nicht wirklich.  Der Mendel endet in Merano und weiter noerdlich liegt dann Sankt Leonardo in Passeier wo sich Jaufenpass und Timmelsjoch treffen. Es geht Richtung Nordwesten aufs Timmelsjoch und damit hoch hinaus. Nach dem obigatorischen Photo auf der Hoehe geht es runter ins Oetztal. Ueber Sautens und Wadele aus dem Oetztal raus und ins Pfitztal hinein.
Haus Waldheim, ein freundlicher Familienbetrieb mit abgeschlossener Garagefuer die Moppeds, Zugang ueber Codeschloss Tag und Nacht, falls man sein Navi um halb drei dringend brauchen sollte um am Krad vergessen hat. Doppelzimmer fuer 15.- inkl. Fruehstueck ist mehr als fair und dafuer faehrt an auch gerne in die Sackgasse Pfitztal.



20.08.2008 Mittwoch, um 0730h erst mal duschen und dann in voller Montur zum Fruehstuecken. Es sei Regen vorhergesagt, Nass den ganzen Tag, so prophezeit man uns. Unbeirrt wird nach einer Kanne Kaffee vom Hof gefahren. Raus aus dem Pfitztal und schon wird aus den tiefhaengenden Wolken eine blauweisse Idylle, weiter am Kaunertal vorbei ueber die Pillerhoehe geht es dem Inn entlang bis Nauders, dem Festungsmuseum und den Panzern, dann weiter zum Reschenpass. Der beruehmte Kirchtum von Grauben im Stausee, ein Bild das jeder der da war stolz herumzeigt, also will ich das auch haben. Ein Kirchturm. Ich meine, ok, sieht man nicht so haeufig, das der Turm aus einem See schaut aber insgesamt ist der Reschenpass eher gemuetliches Fahren ohne grosse Ansprueche.
Runter nach Mals im Vinschgau und die Zufahrt zumberuehmt beruechtigten Stilfser Joch genommen. Der Gral der Kehrenfahrer, die 48 Kehren der Nordauffahrt, die Koenigsklasse des Zirkelns. So hiess es jedenfalls. Was ich zugeben muss, 48 Kehren haben es in sich, sogar ziemlich, was aber auch ziemlich fad wird wenn man Mitten in der Woche mittags um 1200h dauernd Wohnmobile ueberholen muss damit man vorankommt. Und dann ist es soweit, in der 30. Kehre wird Heike von so einem weissen Scheisshaufen Q7 oder wie dieses Audi SUV heisst voll in der Kehre ausgebremst und legt die Kiste hin. Rechtskehre, innen, Zack. Ich fuhr grad hinter ihr und sprintete natuerlich los um die Kiste hinzustellen und zu sehen was alles an Mensch und Matrial gelitten hat. Mensch wohauf aber stinksauer, Krad mit einem Handbremshebel weniger und abgeschlagenem rechten Lenkerendgewicht an dem der Handrotektor haengt. Ok, ohne Vorderradbremse ist es ein wenig ungeschickt auf einem Pass, auf dem Stelvio doppelt bloed. also Loesung suchen und besser noch finden.

Anrufe in der Heimat waren nicht sehr hilfreich denn bis Bozen oder St. Moritz kann ich nicht fahren ohne das Heike bis in die Nacht auf Kehre 30 steht. Also ausgemacht, wenn sie meint es geht, dann ohne vordere Bremse die restlichen  Kehren zur Passhoehe oder warten, ich versuch mein Glueck im Tal, welches, dass entscheidet sich wenn ich eines sehe. Also auf die Hoehe und runter, es zweigt sich der Umbrailpass unterhalb des Stelvio ab, klingt gut und damit geht es Richtung Santa Maria. Umbrail, Umbrail .. was war denn da noch? Dann sehe ich es, Umbrail ist einer der Paesse die nur am Anfang Teer haben, dann folgt Schotter. Wie geil ist das denn? 😉 Im Stehen den Umbrail runter und ordentlich angasen, kaum ein anderes Fahrzeug ist hier und so kann man es richtig fies krachen lassen und Staubwolken hinter sich herziehen.

Santa Maria val Muestair, Umbrail Garage, ich bin in der Schweiz, Graubuenden. Ich frage in der ersten Garage / Tanke nach einem Moppedhaendler und der Inhaber verweist auf Meran in 80 km Entfernung. Jedoch der Mechaniker schaut sich die Bilder des Bremshebelrestes an, ueberlegt und laeuft heim, ein alter KTM Hebel koennte passen. Er drueckt mir noch einen 10er Ringschluessel in die Hand und meint, wenn er passt und ich den Schluessel zurueckbringe regeln wir was der Hebel kosten soll.
Wieder rauf ueber den Umbrail zum Stilfser Joch, Heike steht am Wuerstlstand und winkt, der KTM Hebel wird montiert, bremst die Kiste auch, steht aber elend weit ab, kaum zu erreichen und betaetigt den Bremslichtschalter nicht mehr. Egal, Hauptsache man kann bremsen, das muss reichen bis zu einer Werkstatt mit einem Hebel der auch den Schalter betaetigt. In Santa Maria angekommen wird der Schluessel zurueckgegeben und 20.- Euro fuer den Hebel bezahlt. Jede andere Loesung waere teurer, aufwaendiger und laenger geworden, daher sind alle Seiten zufrieden.
Wir fahren nach Imst, das liegt vor dem Pfitztal und damit auf dem Weg und es soll einen BMW Haendler geben, jedoch vermutlich nur PKW Sparte. Auf dem Weg liegt Zams und dort ist ZZZ, Zweirad Zentrum Zams, ansaessig. Ein Yamaha Haendler der auch fuer Honda, Kawasaki und Co Ersatzteile fuehrt. Ob der was hat ist zwar fraglich aber die auf der Rueckfahrt noch gehimmelte Birne hat er mit Sicherheit, schwarzes Krad mit komplett in  schwarz fahrender Kradistin ohne Licht ist nicht so prickelnd. Er beaeugt die beiden Teile des abgebrochenen Hebels und witzelt noch, das seien doch die sellben wie vom 125er Hokosimo Roller und verschwindet ins Lager. Nach 5 Minuten kommt er Hebel wedelnd wieder zum Vorschein und praesentiert einen einstellbaren Bremshebel der Honda Transalp, der haargenau passt und in 4 Stufen einstellbar noch besser passt als das Original. 45.- Euro fuer den Hebel, der KTM Hebel geht ins Bordwerkzeug und 2.70 fuer eine H4 Birne und die 650er sieht fast aus wie neu,  die Sache mit dem Handprotektor muss man wohl daheim in Ruhe machen.
Noch ein ppaar Sachen zum Abendessen gekauft und dann ins Pitztal abgebogen. Essen, duschen, ne Stunde Fernsehen und dann ist der Tag auch schon rum.


21.08.2008 Donnerstag, der Tag der Abreise. Geplante Tour geht vom Pitztal auf das Timmelsjoch (schlauerweise bei der Anreise Hin- und Retour geloest) und von dort aus ueber den Jaufenpass zum Brennerpass, den Zirler Berg wieder hinauf und dann Walchensee und Kesselberg. Die letzten paar KM bis Kirchheim werden dann gemuetlich ueber die Landstrassen abgerissen. So sind dann 3 Tage Paesse und 1400 Kilometer spaeter die Reifen um den ein oder anderen Millimeter aermer. Apropos Reifen … Anakee2 .. ganz fieses Geraet, davon spaeter mehr.


Die tapfere kleine GS, hat es auf der Heimfahrt dann auch auf 53.000 km gebracht, die grosse GS steht mit aktuell 46.700 km vor der Tuer. 😉 Und natuerlich frisch gewaschen und poliert, man konnte schon nichts mehr sehen durch das Windshield, ein Skandal.